Dropshipping automatisiert: EDI & Billbee im Zusammenspiel

Case Study: Hersteller von Pflanzenpflege- und Pflanzenschutzmitteln automatisiert sein Baumarkt-Dropshipping

Dropshipping gilt seit Jahren als Wachstumsmodell im E-Commerce. Laut einer Studie von Grand View Research wuchs der weltweite Dropshipping-Markt allein 2024 um über 25 Prozent und erreichte ein Volumen von mehr als 300 Milliarden US-Dollar - Tendenz weiter steigend. Für Hersteller bietet das Modell eine attraktive Chance: Sie können ihre Produkte in neue Vertriebskanäle bringen, ohne selbst in den direkten Endkundenvertrieb einzusteigen.

Doch die Praxis zeigt: Die technische Abwicklung zwischen Herstellern, Händlern und Fulfillment-Partnern ist oft eine Herausforderung. Unterschiedliche Systeme sprechen nicht dieselbe Sprache, und manuelle Schnittstellen bergen Risiken wie Verzögerungen oder Fehlbuchungen.

Genau hier setzt unsere Case Study an: Ein Hersteller hat seine Dropshipping-Prozesse gemeinsam mit uns automatisiert - und profitiert nun von stabilen Abläufen, die allen Beteiligten zugutekommen.

Ausgangssituation: Komplexe Schnittstellen, keine Anbindung an Billbee

Unser Auftraggeber, ein Hersteller von Pflanzenpflege- und Pflanzenschutzmitteln, arbeitet mit verschiedenen Handelspartnern zusammen, die ihre Onlineshops im Dropshipping-Modell betreiben. Der Ablauf klingt auf den ersten Blick einfach: Der Endkunde bestellt im Shop des Baumarkts, und der Hersteller lässt über seinen Fulfillment-Dienstleister direkt an den Kunden liefern.

In der Realität ist die Datenkommunikation jedoch komplex. Im Handel wird zwar für den Datenaustausch der EDI-Standard genutzt, jedoch hat jeder Baumarkt seine eigenen Artikelnummern, welche mit den eigenen in Einklang gebracht werden müssen, und für die Übermittlung von Liefermeldungen oder Bestandslisten gab es keine einheitlichen Prozesse. Die Gefahr von Überverkäufen oder verspäteten Liefermeldungen war entsprechend groß.

Eine automatisierte Kommunikation mit dem Fulfillment-Dienstleister, welcher Billbee als Software verwendet, gab es noch nicht. Ein Skalieren des Geschäfts war unter diesen Bedingungen kaum möglich.


Ziel: Automatisierte und einheitliche Datenflüsse

Gemeinsam mit dem Hersteller und dem Fulfiller haben wir die Kernziele definiert:

  • Alle Bestellungen automatisch übernehmen, unabhängig vom jeweiligen Baumarkt oder System.
  • Liefer- und Trackinginformationen fehlerfrei zurückspielen, ohne manuellen Aufwand.
  • Bestände regelmäßig aktualisieren, damit Händler verlässliche Daten für ihren Shop haben.
  • Systemwechsel beim Fulfillment abfedern, sodass Geschäftspartner nichts davon mitbekommen.

Dafür entschieden wir uns für eine Lösung, die auf EDI-Kommunikation basiert und mit Billbee als Fulfillment-Schnittstelle arbeitet - mit Conify als Middleware, die alle Fäden zusammenführt.

EDI und Billbee - eigentlich zwei unterschiedliche Welten - die Conify-Middleware führt alle Fäden zusammen

Der neue Ablauf - von der Bestellung bis zur Liefermeldung

Heute laufen die Prozesse des Herstellers vollständig automatisiert über Conify. Sobald ein Kunde im Onlineshop des Baumarkts bestellt, wird diese Bestellung als EDI ORDER an den Hersteller geschickt. Der Hersteller leitet die Daten ebenfalls als EDI ORDER an Conify weiter, wo die Bestellinformationen geprüft und mit den Stammdaten aus Billbee angereichert werden.

Anschließend wird die Bestellung per API in Billbee eingetragen. Dort kümmert sich der Fulfillment-Dienstleister um Kommissionierung und Versand. Sobald die Ware verschickt ist, ruft Conify die Liefer- und Trackinginformationen aus Billbee ab. Daraus entsteht automatisch eine EDI DESADV (Lieferavis), die direkt an den Baumarkt zurückgeht - immer mit dessen passenden Bestell- und Artikelnummern. Gleichzeitig erhält zusätzlich auch der Hersteller eine Rückmeldung mit seinen Bestell- und Artikelnummern - allerdings gesammelt in regelmäßigen Intervallen, um den internen Aufwand zu reduzieren.

Dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass jeder Partner die Informationen bekommt, die er benötigt - ohne doppelte Arbeit, ohne Medienbrüche und ohne Risiko, dass eine Bestellung „verlorengeht“.


Bestände aktuell halten - für verlässliche Shops

Ein zentrales Problem, nicht nur im Dropshipping sind Überverkäufe: Artikel erscheinen im Onlineshop verfügbar, obwohl sie beim Hersteller schon vergriffen sind. Das führt nicht nur zu Stornos, sondern auch zu unzufriedenen Endkunden.

Um das zu vermeiden, liest Conify die aktuellen Bestände regelmäßig aus Billbee aus. Die Bestände werden im EDI Standard über INVRPT gemeldet. Jedoch verlangt ein Baumarkt eine spezielle CSV-Datei, welche in einem bestimmten Zeitfenster per Email geschickt werden muss - auch dieses ist mit der Conify-Middleware automatisiert. Entscheidend dabei: Die Middleware nutzt die Stammdaten aus Billbee, um die Lieferantenartikelnummern korrekt zuzuordnen. Dadurch stimmen die Bestände bei allen Partnern, und der Endkunde kann sich auf die Angaben im Shop verlassen.

Für den Hersteller bedeutet das weniger Rückfragen, weniger Reklamationen und eine deutlich höhere Prozesssicherheit.


Intelligente Steuerung durch Referenzkürzel

Ein weiteres Schlüsselelement der Lösung sind vereinbarte Referenzkürzel in den EDI-ORDER-Dateien. Diese ermöglichen es Conify, Bestellungen automatisch richtig zuzuordnen. So wird beispielsweise gesteuert, in welche Billbee-Vertriebsschiene eine Bestellung eingetragen wird oder in welchem EDI-Format die Lieferavis zurückgespielt werden. Auch die Wahl des richtigen AS2-Empfängers erfolgt über diese Logik.

Damit erhält der Hersteller eine zentrale Steuerungsebene: Egal, mit wie vielen Baumärkten er zusammenarbeitet oder welche individuellen Anforderungen diese stellen - die Abläufe lassen sich flexibel anpassen, ohne dass in den Systemen der Partner Änderungen notwendig sind und ohne dass sie Einfluss auf die andren Partner haben. Anpassungen erfolgen auf der Conify-Middleware-Ebene, sodass alle Beteiligten weiterhin in ihren gewohnten Umgebungen arbeiten können.

Das reduziert nicht nur den Abstimmungsaufwand, sondern macht den Hersteller auch attraktiver als Dropshipping-Partner: Baumärkte können sich auf sehr stabile Prozesse verlassen, ohne selbst in Schnittstellen investieren zu müssen.


Zukunftssicherheit - Stabilität trotz Systemwechsel beim Fulfillment

Das Praxisbeispiel zeigt, welchen Mehrwert diese Entkopplung bringt. Der Fulfillment-Dienstleister des Herstellers stellt aktuell sein System von Billbee auf eine neue Software um. Normalerweise würde ein solcher Wechsel weitreichende Anpassungen bei allen Partnern erfordern. Dank Conify läuft der Prozess für Baumärkte und Hersteller jedoch unbemerkt weiter.

So wird deutlich, welchen Wert eine entkoppelte Architektur hat: Veränderungen auf einer Seite wirken sich nicht direkt auf die anderen Partner aus. Die Middleware übersetzt die Datenströme in beide Richtungen und sorgt dafür, dass Bestellungen, Liefermeldungen und Bestände weiterhin reibungslos fließen. Für den Hersteller bedeutet das: kein Projektstillstand, keine doppelten Aufwände - und vor allem die Sicherheit, dass seine Handelspartner nichts von der internen Umstellung mitbekommen.

Diese Flexibilität ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Der Hersteller kann sein Geschäftsmodell weiterentwickeln, ohne dass Kunden oder Partner davon belastet werden. Das wiederum sorgt für Stabilität und Kontinuität - schafft Vertrauen und macht die Lösung zukunftssicher.

Conify überwacht automatisch alle Datenströme - das sorgt für Stabilität und schafft Vertrauen

Kundennutzen: Mehr Effizienz, weniger Fehler, bessere Partnerschaften

Die Automatisierung zahlt sich für den Hersteller in mehrfacher Hinsicht aus. Einerseits spart er erheblich Zeit, weil manuelle Schnittstellenpflege entfällt. Studien zeigen, dass Unternehmen durch EDI-Automatisierung bis zu 60 Prozent der Prozesskosten in der Auftragsabwicklung einsparen können - GS1 Germany, „EDI in Zahlen – Effizienz durch Standards“. Andererseits sinkt die Fehlerquote, da alle Daten direkt aus den Systemen übernommen und automatisch geprüft werden.

Auch die Beziehung zu den Handelspartnern profitiert: Baumärkte erhalten aktuelle Bestände und pünktliche Liefermeldungen, was ihre eigene Kundenbindung stärkt. Der Fulfillment-Dienstleister wiederum arbeitet mit sauberen, klar strukturierten Daten und kann seine Prozesse effizient steuern.

Gemeinsam entsteht so ein Prozess, der nicht nur effizienter, sondern auch robuster ist. Fehlerquellen werden minimiert, Abläufe transparenter, und alle Beteiligten können sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren: Produkte herzustellen, zu verkaufen und zuverlässig auszuliefern.

So entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten - und der Hersteller positioniert sich als zuverlässiger Partner, der technisch auf der Höhe der Zeit ist.


Fazit und Ausblick

Die Case Study zeigt anschaulich, wie moderne Schnittstellenarbeit im Dropshipping aussehen kann. Mit Conify als Middleware lassen sich komplexe Abläufe zwischen Onlineshop, Hersteller und Fulfillment-Dienstleister automatisieren, ohne dass die Partner ihre Systeme aufwendig umbauen müssen. Bestellungen, Bestände und Liefermeldungen fließen zuverlässig und aktuell durch alle Systeme.

Das Ergebnis: Weniger Aufwand, mehr Transparenz und eine stabile Grundlage für zukünftiges Wachstum - ganz im Sinne eines Schnittstellen-Concierge, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alle Zahnräder ineinandergreifen.

Für die Zukunft eröffnet diese Architektur neue Möglichkeiten. Ob weitere Baumärkte angebunden, neue Fulfillment-Dienstleister integriert oder zusätzliche Vertriebskanäle erschlossen werden - die Basis ist gelegt. Conify sorgt dafür, dass auch wachsende Komplexität beherrschbar bleibt und der Hersteller seine Rolle im dynamischen Dropshipping-Markt erfolgreich ausbauen kann.


Titelbild von ChatGPT generiert, weiteres Bild von pixabay geralt.