- 2. September, 2026
- Lesezeit: ca. 8 Min.
- Tags: Alkoholversand, Alkohol Fulfillment, Steuerlager, Automatisierung Steuerlager-Flag
Case Study: Spirituosenversand im E-Commerce: Worauf Händler bei der Wahl ihres Fulfillment-Partners achten sollten
Ein gutes Produkt, ein ansprechender Onlineshop und funktionierendes Marketing – damit sind schon einmal wichtige Voraussetzungen für erfolgreichen E-Commerce geschaffen. Wer allerdings Wein, Spirituosen oder andere alkoholische Getränke online verkauft, stellt schnell fest: Spätestens bei Lagerung und Versand wird es etwas komplizierter.
Denn Alkohol ist nicht irgendeine Ware. Jugendschutz, bruchsichere Verpackungen und besondere steuerliche Anforderungen gehören ebenso zum Tagesgeschäft wie die Frage, wie Shop, Warenwirtschaft und Lager miteinander kommunizieren. Gerade deshalb lohnt es sich für Händler, bei der Auswahl eines Fulfillment-Dienstleisters etwas genauer hinzuschauen.
Wie wichtig dabei nicht nur die logistische, sondern auch die technische Seite ist, zeigt ein Projekt, das wir für die Spirituosenmarke Lavabelle und deren Fulfillment-Partner IWS Internationale Wein- und Spirituosen Transporte GmbH umgesetzt haben.
Worauf sollten Händler beim Alkohol-Fulfillment achten? Und warum kann selbst die Steuerlager-Steuerung am Ende zu einer Frage der richtigen Schnittstelle werden? Das schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an.
Erfahrung mit Wein und Spirituosen ist mehr als ein nettes Extra
Ein Fulfillment-Center, das T-Shirts, Bücher oder Elektronik versenden kann, kann theoretisch natürlich auch eine Flasche verschicken. In der Praxis unterscheiden sich die Anforderungen jedoch erheblich.
Glasflaschen müssen zuverlässig vor Bruch geschützt werden. Unterschiedliche Flaschenformen und -größen benötigen passende Verpackungslösungen. Bei höherwertigen Spirituosen spielen darüber hinaus Themen wie Diebstahlschutz und die sichere Lagerung wertvoller Bestände eine Rolle.
Wer als Händler nach einem Fulfillment-Partner sucht, sollte deshalb nicht nur nach dem Preis pro Paket fragen, sondern auch danach, welche Erfahrung der Anbieter bereits mit Wein und Spirituosen besitzt.
Ein spezialisierter Anbieter kennt die kleinen Besonderheiten des Geschäfts bereits. Das spart vor allem eines: Sonderlösungen im laufenden Betrieb.
Jugendschutz muss bis zur Haustür funktionieren
Eine weitere Besonderheit liegt auf der Hand: Alkohol darf nicht uneingeschränkt an Minderjährige abgegeben werden.
Das Jugendschutzgesetz unterscheidet dabei zwischen verschiedenen alkoholischen Getränken. Bier, Wein, weinähnliche Getränke und Schaumwein dürfen grundsätzlich nicht an unter 16-Jährige abgegeben werden; für andere alkoholische Getränke wie Spirituosen gilt die Altersgrenze von 18 Jahren.
Für den Onlinehandel bedeutet das, dass Jugendschutz nicht einfach an der virtuellen Ladentür des Shops enden darf. Auch der Versandprozess muss zur jeweiligen Ware passen.
Händler sollten deshalb mit einem potenziellen Fulfillment-Dienstleister frühzeitig klären, welche Versandarten und Altersprüfungen unterstützt werden und ob unterschiedliche Anforderungen je nach Produkt automatisiert berücksichtigt werden können.
Denn spätestens wenn ein Sortiment aus Wein, Spirituosen und alkoholfreien Artikeln besteht, kann aus einer scheinbar einfachen Versandregel schnell ein komplexerer Prozess werden.
Steuerlager: Ein wichtiger Vorteil für bestimmte Geschäftsmodelle
Besonders interessant wird es bei größeren Warenbeständen, Importen oder international aufgestellten Marken.
Spezialisierte Logistikdienstleister können über zugelassene Steuerlager verfügen. In einem solchen Steuerlager dürfen verbrauchsteuerpflichtige Waren unter Steueraussetzung unter anderem gelagert, empfangen oder versandt werden. Der Betrieb eines Steuerlagers ist erlaubnispflichtig und unterliegt entsprechenden Aufzeichnungs- und Kontrollpflichten.
Hier lohnt es sich allerdings, sprachlich genau zu sein. Ein Zolllager und ein Steuerlager sind nicht dasselbe. Beim Handel mit alkoholischen Getränken ist aufgrund der Verbrauchsteuern insbesondere das Steuerlager von Bedeutung.
IWS Logistics beispielsweise ist auf die Logistik für Wein und Spirituosen spezialisiert und bietet sowohl Frei-, Zoll- als auch Steuerlager an.
Für einen Händler lautet die entscheidende Frage daher nicht nur:
„Hat der Fulfillment-Dienstleister ein Steuerlager?“
Sondern ebenso:
„Kann mein gesamter digitaler Prozess mit diesem Steuerlager umgehen?“
Wenn eine Bestellung gleichzeitig Steuerlager und normales Lager betrifft
Genau an diesem Punkt wird es technisch interessant.
Stellen wir uns eine Bestellung vor, die aus zwei Positionen besteht:
Ein Kunde bestellt eine Flasche Spirituose und dazu zwei passende Gläser.
Die Spirituose befindet sich im Steuerlager. Die Gläser natürlich nicht. Trotzdem gehören beide Artikel zu ein und derselben Kundenbestellung.
Eine einfache Kennzeichnung des gesamten Auftrags als „Steuerlager-Auftrag“ würde dieses Szenario also nicht ausreichend abbilden. Die Information muss dort ankommen, wo sie tatsächlich gebraucht wird: auf Ebene der einzelnen Bestellposition.
Und damit sind wir bei der Schnittstelle zwischen Shop beziehungsweise ERP und dem Lagerverwaltungssystem des Fulfillment-Dienstleisters.
Eine vorhandene Schnittstelle ist nicht automatisch die richtige Schnittstelle
Viele Händler fragen bei der Suche nach einem Fulfillment-Partner zunächst:
„Könnt ihr Shopify anbinden?“
„Gibt es eine Shopware-Schnittstelle?“
„Kann unser ERP mit eurem System kommunizieren?“
Das sind wichtige Fragen. Allerdings greifen sie zu kurz.
Denn nur weil zwei Systeme grundsätzlich Daten miteinander austauschen können, bedeutet das noch lange nicht, dass auch alle für den individuellen Geschäftsprozess benötigten Informationen übertragen werden.
Bei einem gewöhnlichen Auftrag reichen Artikelnummer, Stückzahl und Lieferadresse vielleicht bereits weitgehend aus. Im Alkohol-Fulfillment können zusätzliche Informationen benötigt werden – beispielsweise zur steuerlichen Behandlung einer bestimmten Position.
Eine gute Schnittstellenlösung muss deshalb nicht nur Daten von A nach B transportieren. Sie muss die Geschäftsprozesse auf beiden Seiten verstehen und die Informationen so an das Zielsystem übergeben, dass dieses damit arbeiten kann.
Praxisbeispiel: Lavabelle, IWS Logistics und die Steuerlager-Steuerung über Conify
Genau diese Aufgabenstellung ergab sich bei der Anbindung der Spirituosenmarke Lavabelle an IWS.
Dabei kommen bei Lavabelle
gleich zwei unterschiedliche Systeme zum Einsatz:
Shopify für das B2C-Geschäft und weclapp für B2B-Aufträge. Beide Systeme haben wir über Conify® an das Lagerverwaltungssystem
von IWS angebunden.
Damit laufen Bestellungen aus unterschiedlichen Vertriebskanälen zentral im Fulfillment zusammen – unabhängig davon, ob ein Endkunde im Onlineshop bestellt oder ein Geschäftskunde über den B2B-Prozess abgewickelt wird.
Die Besonderheit liegt dabei nicht nur in der Übertragung der Aufträge selbst. Über die Schnittstelle kann bei den einzelnen Auftragspositionen auch das für den Lagerprozess benötigte Steuerkennzeichen mitgegeben werden.
Das ist zum Beispiel dann relevant, wenn eine Bestellung unterschiedliche Warentypen enthält: Eine Spirituose kann aus dem Steuerlager kommen, während ein gleichzeitig bestelltes Glas aus dem regulären Lagerbestand stammt. Die steuerliche Behandlung lässt sich dadurch auf Ebene der einzelnen Position abbilden, ohne dass daraus ein manueller Sonderprozess entstehen muss.
Gerade bei einem Setup mit mehreren Quellsystemen zeigt sich der Vorteil einer zentralen Integrationsschicht: Shopify, weclapp und das Lagerverwaltungssystem von IWS müssen nicht jeweils eigene Sonderlogiken miteinander austauschen. Conify® übernimmt die Verbindung und sorgt dafür, dass die für den jeweiligen Prozess benötigten Informationen im richtigen Format beim Fulfillment ankommen.
Auf Seiten von IWS war dabei insbesondere die Geschwindigkeit der Umsetzung positiv aufgefallen.
„Ich war erstaunt, wie schnell die Umsetzung der Anbindung an das IWS-System realisiert war.“
Alexander Rollhäuser, Betriebsorganisation Warenlager / Warehouse Operations Management, IWS Logistics
Und auch aus Händlersicht zeigte sich, dass ein steuerlich anspruchsvoll klingender Prozess in der täglichen Anwendung nicht kompliziert sein muss.
„Ich war überrascht, wie einfach gerade die Steuerlager-Steuerung mit Conify ist.“
Constantin Ebert, Geschäftsführer Lavabelle
Das Beispiel zeigt sehr schön: Die eigentliche Kunst einer Schnittstelle besteht häufig nicht darin, eine Bestellung zu übertragen. Entscheidend ist, alle Informationen zu übertragen, die für die korrekte Verarbeitung dieser Bestellung notwendig sind.
Hast du Fragen? Wir unterstützen euch gerne: Kontakt zum Schnittstellen-Concierge.
Bild u.a. von ChatGPT generiert, weitere Bilder von pixabay bru-no und wokandapix.